Rede zur Kraft durch Trauer

„Ich bin ein freier Mann geboren und habe nie mein Haupt gebeugt.“

Diese Worte stammen von Friedrich Stoltze, einem Frankfurter Freigeist. Ein Literat, der mit Feder und Papier für Demokratie und eine republikanische Einheit Deutschlands kämpfte, inmitten einer monarchistischen Epoche. Gegen Ende seines Lebens war er das bekannteste und beliebteste Kind seiner Heimatstadt Frankfurt. Gleich nach Goethe.

Peinlich für mich, bin ich erst vor kurzem mit ihm und seinem Werk bekannt geworden.

Es war allerdings auch kein gewöhnlicher Familienbesuch zu dem Tansu und ich nach Frankfurt kamen und an dessen Ende wir in einem Cafe am Bartholomäus Dom saßen. Zur Toilette im vierten Stock wollte ich noch und landete in einer Dauerausstellung im zweitem und drittem Stock über Stoltze. Möglich das manche von Zufall reden, andere von Vorhersehung – von Bestimmung, ich sehe es als unwahrscheinlich erscheinende Wahrscheinlichkeit; dass ich ausgerechnet zu solch einem Moment in meinem Leben mit Friedrich Stoltzes Biographie in Berührung kam.

Diesmal waren wir dort im Kreise der Familie um Onkel Klaus zu bestatten. Er starb nicht an Corona. Ich sehe es so, er starb nicht mal direkt an seinem Lungenkrebs. Vielmehr hat der Kampf gegen den Krebs ihn zermürbt. Eineinhalb Jahre Chemo-Therapie. Am Schluß war er soweit den Gang ins Hospiz zu nehmen.

Nach dem Besichtigen von einem solchem, am Tag danach, schlief er auf seiner Couch ein und wachte nicht mehr auf. So sah es aus. Als wenn er sich gedacht hätte: ‚Da kann ich ja auch gleich zuhause sterben.‘ Es ist ein tröstlicher Gedanke zu wissen: Er starb wie er es sich wünschte: einschlafen ohne aufzuwachen, vom Schmerz befreit, in seinem Heim.

Wichtiger als diese Art von Trost ist die Erkenntnis: ein Teil von ihm wird immer bei mir bleiben – Mich mein Leben lang begleiten.

Wie ich auch durch ihn als Teil meiner Familie und Mitspieler lernte, Gesellschaftsspiele als gemeinsames Erleben zu spielen. Klar, gewinnen ist was schönes, doch wichtiger ist der gemeinschaftliche Spaß dabei. Seine ganzen Comics und Filme. Es mag sich profan anhören, doch sind dies Kunstformen. Sie inspirierten mich tiefer in diese einzutauchen, meinen Weg darin zu finden. Seine Hilfsbereitschaft, ebenso wie seine gelegentliche Wortkargheit; um dann von Zeit zu Zeit einen kurzen Kommentar loszulassen, bei dem man zwar anderer Ansicht sein konnte, es jedoch stets lohnte darüber nachzudenken.

Nur wenige Beispiele, welche leicht zu erzählen sind.

Es heist…    Jeder Mensch schafft sich seine eigene Hölle. Manche von uns wissen dies nur zu gut. Ich weis…    Jeder Mensch kann sich sein eigenes Paradies erschaffen. In seinem Herzen. In seiner Erinnerung. Für die Menschen, welche uns begleiteten, uns prägten, mit uns gingen in hellen wie durch dunkle Zeiten. Für Jene, die von uns gingen und uns doch nie verlassen.

Die gemeinsame Gegenwart ist nicht mehr, doch die Vergangenheit lebt und begleitet einen auch in die Zukunft. Dies ist mehr als Trost, mehr als versöhnliche Trauer, welche so ganz anders ist wie diese schmerzende drückende Trauer voller Vorwürfe gegenüber sich selbst und andere.

Es ist mehr als herzerwärmende Erinnerung, denn es bedeutet:

Wir können mit einem Lächeln zurückblicken und mit Zuversicht nach Vorne gehen. Zu fühlen und zu wissen, all jene welche körperlich gestorben sind, all ihre Werte, ihr handeln, denken, fühlen; all das Gute was wir durch sie erfahren haben, all jenes was wir durch ihre Hilfe lernten – all dies lebt in uns weiter.

Es stärkt uns nicht nur; es gibt uns Kraft selbst durch dunkelste Zeiten hindurch.

Wie ein Leuchtturm aus der Vergangenheit können sie uns immer noch helfen unseren Weg durch Zweifel und Düsternis hindurch zu finden. Wir können mit einem Lächeln zurückblicken und mit Zuversicht aufrecht nach vorne gehen. Es ist eine demütige, bescheidene Kraft. Weshalb ich in aller Bescheidenheit nicht mit meinen Worten enden will, sondern mit den Worten von Friedrich Stoltze. Welche er im Mai 1880, zwei Monate nach dem Tod seines Sohnes, fand.

„Nicht alle sind tot, deren Hügel sich hebt! Wir lieben, und was wir lieben, das lebt. Das lebt, bis uns selber das Leben zerrinnt. Nicht alle sind tot die begraben sind.“

Der Mythos des Orpheus

Es mag noch heute von Bedeutung sein wer vor 2500 Jahren oder mehr welche Schlachten schlug. Wer gewann. Und wer verlor. Warum welche Staaten und Kulturen entstanden und vergingen.
Es spielt keine Rolle wer Vorbild war für den Mythos Orpheus. Ob und wann diese Person existierte. Wichtig ist für was er heute noch steht.

Orpheus, Halbgott und sterblicher Mensch in einem, erzogen und unterrichtet von den Musen, von Apollon zu seiner Geburt mit einer neunsaitigen Harfe, einer Lyra, derart reich beschenkt, das manche munkeln dieser Gott der Musik, Dichtkunst und Gesundheit wäre sein leiblicher Vater. Eine Lyra mit neun Saiten. Für jede Muse eine Saite. So vollkommen sein Instrument, so ideal spielte er damit; sang und dichtete perfekt.
Wenn er dies tat, war er der Inbegriff der Harmonie. Selbst Jagd- und deren Beutetiere begleiteten ihn friedlich zusammen. Bei Menschen stets willkommen und feierlich empfangen, änderten bei seinen Wanderungen Flüsse ihren Lauf, Bäume wie Gebirge streckten sich ihm entgegen um ihn besser zu lauschen. Die Natur war ihm zugetan und sogar die Götter des Olymp traten aus dem Pantheon um ihn besser hören zu können.
Doch wohnte in ihm nicht nur harmonischer Frieden, auch Wissensdurst und Abenteuerlust waren ihm zu eigen.
Er begleitete Jason bei dessen Suche nach dem goldenen Vlies. Als Teil der Mannschaft ermöglichte Orpheus überhaupt das Gelingen des Abenteuers. Er war es, der mit seinen Worten der Besatzung der Argos Mut und Moral gab. Er war es, der mit seinem Rhythmus den Ruderern den Takt gab. Er war es, der mit seinem Gesang das stürmische Meer beruhigte, sowie die Sirenen übertrumpfte und sie verzweifelnd zum Schweigen brachte. Zwei Generationen später musste Odysseus listig sein um die Sirenen passieren zu können. Zur List greifen? Das hatte Orpheus nicht nötig. Ein feuerspeiender Drache bewachte das goldene Vlies. Orpheus besänftigte das Ungeheuer mit seinem Lied, so dass Jason zum goldenen Vlies greifen und sein Königreich erlangen konnte.
Nach Beendigung der Fahrt der Argonauten zog er nach Ägypten, studierte dort für ihn neues Wissen, erhöhte seine Weisheit, jedoch ohne seine Wurzeln zu verneinen und abzulehnen. Was er jedoch von nun an ablehnte war der Verzehr von Fleisch. Diese Änderung von Althergebrachten war die sichtbarste Neuerung einer Schule, welche sich um ihn bildete. Was heutzutage nicht besonders klingt, war damals geradezu revolutionär. War doch der Genuss von Tierfleisch als gottgewollt verstanden und als Pakt mit den Göttern vollzogen. Orpheus vollbrachte eine Evolution in der Religion. Was die Glaubensgemeinschaft der Orphiker, welche sich auf ihn beriefen, seit dem taten, oder vielmehr nicht mehr taten, ist in der Moderne vergleichbar mit der Ablehnung der wortwörtlichen Bibelauslegung durch Wissenschaft und Aufklärung.
Die Schule der Orphiker, hervorgegangen aus seinen direkten Schülern. wiederum sollte zwar der Kern einer neuen, nach ihm benannten Religion werden. Er selbst sah sich jedoch nicht als Religionsstifter und kehrte zurück nach Griechenland.
Dort setzte er seine Wanderungen fort. Einer dieser Wege führte ihn zu einer Waldlichtung, wo sich die Dryade Eurydike und er sich begegneten und verliebten. Sie heirateten. Das Glück jedoch währte nicht lange. Eines Tages ruhte Eurydike sich alleine schlafend im Gras einer Wiese aus. Ungebeten näherte sich ihr ein Mensch. Ob versuchte Vergewaltigung oder ungefragte impulsive Berührung, darüber differenzieren die Quellen.
Sie floh, eilte über Stock und Stein, stürzte und wurde von einer versteckten giftigen Schlange tödlich gebissen.
Der Tod entriß Orpheus seine Liebe, doch akzeptierte er dies nicht. Als erster Mensch überhaupt ging er lebend und gewollt ins Totenreich, einzig um die Liebe, um Eurydike, zurückzuholen. Orpheus trat vor das Herrscherpaar der Unterwelt, Hades und Persephone. Mit seinen Worten seines Gesangs in seiner Musik klagte er sein Leid und brachte seine Bitte vor. Derart intensiv, das der Tartaros, jenen Ort den Christen Hölle nennen, sein strafendes Werk stoppte um ihn anzuhören und bei ihm zu sein.
Hades wie Persephone, beide selbst tief berührt, gewährten ihm seinen Wunsch unter der Bedingung das er auf dem Weg zurück voraus ginge, sich nicht umblickend zu seiner Liebe während des stillen und düsteren Aufstiegs. Hintereinander beschritten beide diesen wahrlich dunklen und lautlosen Pfad. Kurz vor dem Ziel, nahe der Berührung des Tageslichtes, blickte er doch zu Eurydike, nur um zu sehen wie seine Liebe, von unsichtbaren Kräften ergriffen, in den Abgrund zurückgezogen wurde.
Er eilte zurück. Doch ein zweites Mal konnte ihn sein Herzensanliegen nicht gewährt werden. Die Regeln waren klar und unbiegbar. Selbst für Götter. Er kehrte zurück in die Welt der Lebenden. Allein, verlassen und gebrochen. So wandelte er von nun an auf der Erde. Düster und melancholisch waren nun seine Lieder. Voller Trauer und Schmerz.
Bei einer dieser einsamen Wanderungen traf er auf die Mänaden, Anhängerinnen des dionysischen Kultes des Rausches, der Triebe und der Raserei. Auf seiner Weigerung hin ihrer Aufforderung zu folgen mit ihnen zu feiern, griffen sie ihn an. Zerreißten ihn bei lebendigen Leibe in Stücke, schnitten seinen Kopf vom blutigen Rumpf ab und warfen diesen samt der Lyra in den nahen Fluß.
Doch dies war nicht das Ende von Orpheus. Während sein Haupt vom Wasser getragen zur Insel Lesbos trieb und noch dort, während die Musen seine körperlichen Bruchstücke einsammelten und begruben, sang er weiter seine Litaneien. Bis Apollon ihm zu schweigen gebot.
Selbst hier endet nicht der Mythos von Orpheus. Denn Zeus selbst nahm seine Harfe und setzte diese ans Himmelsfirmament.

So zeigt der Orpheus-Mythos nicht nur wie der Mensch sich selbst, kurz vor dem Erreichen seiner grüßten Ziele, zu Fall bringt. Wie er sich selbst im Wege ist. Nein. Orpheus versinnbildlicht das Streben des Menschen nach Höherem. Nach dem Schönem, dem Reinen, den feingeistigen Freuden. Er bildet die edle Abenteuerlust ab neues zu erleben, mehr zu wissen, weiser zu werden und dabei doch stets sich selbst, seinen Werten und Wurzeln treu zu bleiben.
Orpheus steht für die Harmonie im Universum und dafür das der Mensch selbst in Schmerz, in Düsternis, selbst in innerster Zerrissenheit bei seinen Tugenden bleiben kann.
So erlangte er als Sterblicher Unsterblichkeit und in manchen Nächten, wenn die sterblichen Menschen zum Himmel schauen, können sie in der Finsternis sein Zeichen leuchten sehen.

 

 

Der Vorleser empfiehlt Der Lyriker liest vor: Mythos Orpheus als abgewandelte Form.

Ein spirituelles Mantra für einen atheistischen Stoiker

Seit dem Stoiker zur Kraft eines Mantras verfestigt sich in mir etwas, was vielleicht vergleichbar zu einem Mantra ist. Ironischerweise war die Quelle dazu bereits da. Ich wußte nur nicht damit umzugehen. Vor einiger Zeit kaufte ich, wenn ich mich nicht irre in der staatlichen Antikensammlung, eine Postkarte mit einem Motiv im Stil einer antiker Marmorplatte und der Inschrift „Carpe Diem“. Sie hat, und das nun möglicher Weise auch schon seit einem Jahr, einen schönen Platz an der Innenseite der Wohnungstür. Und ab und zu beachtete ich diese Aufmerksamkeitserinnerung sogar vor dem Öffnen der Tür. Doch so richtig zündete die Idee nicht in mir. Erst beginnend mit den Reflektionen über Epiktets morgendliches Ritual und Senecas Tagesrückblick entwickelte sich diese Idee in mir weiter.

„Carpe Diem. Was macht Sinn? Was ist Unsinn?“

Das ist mein Mantra. Zugegen, es hat nicht die Spiritualität eines wahren Mantras. Dazu kommt auch noch das ab und zu ein kleiner Schelm in mir, nach dem mündlichen oder gedanklichem Sprechen der Wörter, hinzufügt: ‚Carpe Noctem‘. Es kratzt aber auch nicht nur an der Oberfläche wie ‚Was wollt ich noch mal?‘, Warum mache ich das?‘ oder ‚Was soll das?‘. Für mich als Nicht-Lateiner, welcher gerade mal das kleine Asterixum hat, ist es auch noch nicht ohne Selbstironie auf lateinisch mich selbst aufzufordern ‚Nutze den Tag‘.
Für mich geht es schon etwas tiefer. Es stellt schon Fragen nach gerechten, maßvollen Entscheidungen und Handlungen; nach Richtig und Falsch. Es passt zu mir. Zu dem Stoiker, der ich bin. Zu meiner Ironie. Dazu, das ich zwar nicht spirituell, jedoch keineswegs materialistisch bin. Ich habe auch so das Gefühl, das dieses spirituelle Mantra eines atheistischen Stoikers sich noch weiter entwickeln wird, an Reife und Tiefe gewinnend für mich.

Da ich inzwischen relativ zügig darin bin Kommentare zu lesen, jedoch noch nicht soweit diese auch in einem passendem zeitlichem Rahmen zu beantworten, möchte ich an dieser Stelle Susi und Rashid danken für ihre Worte und dafür das sie von ihren Mantras erzählten. Das Reflektieren dessen hat mir geholfen zu meinem zu finden.
Frank

Absprung oder Sieg der Höflichkeit

Beziehe mich auf den Aspekt „Energievampire, Zeitverschwendung“
https://polyblob.de/zeitverschwender

Stellt euch vor, ihr sitzt mit einem Freund, Bekannten oder Verwandten und dieser Jemand textet euch ohne Punkt und Komma zu. Es ist kein Dialog, sondern ein reiner Monolog zu einem Thema, der euch gar nicht interessiert, oder nicht berührt. 

Was macht ihr?
a) Höflich sein und freundlich nicken? Interesse vorspielen?
     In regelmäßigen Abständen mit dem Kopf nicken, damit euer innerliches Abdriften nicht bemerkt wird?

b) Oder seid ihr ein Rebell und sagt ihm blank heraus „Du, das interessiert mich nicht“ und riskiert, dass euer Freund, Bekannter oder Verwandter beleidigt wird.

Wenn ich die Variante a) wähle, höflich nicke, dann riskiere ich bei Rückfragen, dass ich nichts verstanden habe, weil ich nicht zuhöre. Auch wieder peinlich.
Wenn ich die Variante b) wähle, riskiere ich, dass mein Gegenüber vor den Kopf gestoßen wird und sich verletzt fühlen könnte.

Früher habe ich immer höflich genickt und gelächelt. Musste einem Zeitverschwender und Energievampir sehr viel von meiner Lebensenergie bezahlen. Wusste keinen richtig guten Weg, um meinen Gesprächspartner zu stoppen. Und nach dem Gespräch fühlte ich mich sehr energielos und ausgesaugt.

Nach dem Lernen der Philosophie und den Tugenden lernte ich, dass ich zu meiner inneren Wahrheit stehem darf. Dass die Wahrheit eines der größten Tugenden ist. Nämlich die innere, individuelle und meine persönliche Wahrheit. Und wenn meine innere Wahrheit mir laut flüstert „Das Thema interessiert mich nicht“, dann habe ich gelernt zu handeln. Einfach den Satz auszusprechen „Ist es ok, wenn wir das Thema wechseln. Dieses Thema interessiert mich nicht“. Habe die wunderbare Erfahrung gemacht, dass alle bisher immer positiv und überrascht reagiert haben.

Gäbe es noch einen Weg c?
Wie schafft man es, einen galanten Absprung zu machen und dabei niemanden zu verletzen? Ohne falsches Interesse vorzugaukeln und ohne die innere Wahrheit aussprechen zu müssen, weil ich das nicht darf, weil mein Gegenüber zum Beispiel mein Chef ist.

Der beste Weg aus diesem Dilemma ist die „SEPERATOR“ Methode. Während mein Gegenüber spricht und erzählt, beobachte ich ihn. Was trägt er an sich? Darauf gehe ich ein. Oder was trinkt er? 

Dann stelle ich eine banale Frage „ist das blau an deinem Hemd ein besonderes Blau?
Oder „ist das Mineralwasser, was Du trinkst?“

Wichtig dabei ist, dass es etwas ist, was die Person besitzt. Daher ist die Wahrscheinlichkeit umso größer, dass er gerne darüber reden wird. 
Was ich davon habe? Nun, er hält weiterhin einen Monolog, aber jetzt über ein Thema, der nicht meine Kräfte raubt.

SEPERATOR-Methode funktioniert immer. Sie funktioniert deswegen so gut, weil wir in der Wertschätzung zum anderen bleiben. Wir benennen Dinge, die der andere an sich trägt oder macht. Daher ist es eine Beschäftigung mit seiner Person. Daher muss diese Methode auch gut funktionieren.

Und der eigene Vorteil ist, dass man jetzt einen Text zu hören bekommt, der ziemlich einfach sein kann über das blaue Hemd. Herrlich nichtsagend und nicht energieraubend.

Probiert es aus! Es funktioniert.

Tiefere Optimierung

Zwar habe ich in meiner Abschlußrede negativ von Selbstoptimierung gesprochen, doch meinte ich damit diese Oberflächlichkeit. Vom Wunschgewicht, diese bestimmte Strecke schaffen, eine oberflächliche materielle Ebene halt. Nur aufs Ego gerichtet. Für jene, die dies so und aus solchen Gründen betreiben, mag es sich als lohnend erscheinen.

Doch jeder der sich verbessern will, arbeitet an sich selbst und seinen Fähigkeiten. Abgesehen von meiner Bescheidenheit kann ich vielleicht deswegen mit Lob nicht so gut umgehen weil ich oft weis oder fühle wie ichs hätte besser machen können. Beim Malen ist es manchmal am schlimmsten weil ich die visuelle Vorstellung direkt sehen kann wie es hätte sein können. Mir sind dann die Unzulänglichkeiten sehr offensichtlich. Manchmal liegt es an meinem Handwerk, manchmal am Material, manchmal an der Vorgehensweise.
Meine Vorstellung, meine Vision ist ein Ideal. Vielleicht nie erreichbar. Doch kann ich ihm jedes Mal näher kommen. Wenn ich es erneut angehe. Das Idealbild kenne nur ich und vielleicht spreche ich deswegen nicht so viel und eher selten über das was ich kann und mache. Wegen meiner Bescheidenheit und weil ich nicht die Phantasie anderer anregen will und sie mit der Realität enttäusche.

Das war jetzt ein Beispiel aus der künstlerischen Ebene, was aber im Prinzip für jede andere Ebene ebenso Geltung hat.
Auch für Verstand und Geist ebenso wie für Herz und Seele. Man wächst heran. Vom Neuling über den Lehrling zum Meister. Je bewußter man dieses Voranschreiten macht, je mehr man darauf achtet was, warum und wie man etwas macht oder warum es so ist und wie es werden könnte, desto tiefer begreift man etwas und desto nachhaltiger und tiefer verändert, verbessert, optimiert man sich.

Manchmal merkt man erst im nachhinein wie sehr man gereift ist. Manchmal sieht man erst im Rückblick: „He, diesen Fehler habe ich diesmal nicht gemacht‘. Dieses an-sich-arbeiten ist selten leicht und manchmal ist es so schwer etwas aufzubauen wie etwas was einen beschwert, was schmerzen mag, abzubauen. Man mag an seinen Aufgaben reifen, doch man reift ganz sicher an sich bewußt gemachten Erfahrungen.

Selbstbewußtsein wird meiner Meinung nach im alltäglichen Sprachgebrau eigentlich nur mit oberflächlich gezeigtem Ego gleichgesetzt. Doch setzt es sich doch aus den Wörtern „Selbst bewußt sein“ zusammen. Und das bedeutet doch so viel mehr als ein herrisches Auftreten irgendwelcher Firmenvorstände oder Villenbesitzer.
Eien Ironie dabei ist, wie ich finde, das diese innere Stärke im Gegensatz zur bewußt nach aussen gezeigten, mitunter vorgetäuschten, erscheinenden Stärke ganz unbewußt entsteht. Wenn man sich selbst seiner Stärken und Schwächen bewußt ist. Und wenn man sich bewußt mit Verstand und Herz der Stärkung des Positiven und der Schwächung des Negativen widmet.

Wenn einer süchtigen Person ein Rückfall passiert und er wieder seine Droge konsumiert, dann ist ihm eben kein Rückfall passiert. Er hat ihn gebaut. Selber. So ein Rückfall hat seine Vorgeschichte. Eine Zeitspanne in der alte Mechanismen doch wieder anfangen zu greifen. Mechanismen wie Verhaltensweisen oder auch unverarbeitete und deshalb unverheilte Erinnerungen. Dies führt dann Stein für Stein dazu das der Suchtdruck steigt bis es keinen anderen Weg mehr zu geben scheint außer den des Rückfalls.
Bei einer depressiven Person können äußere Einflüsse ebenso wie die innere Gefühlslage das Selbstbildnis trüben. Man zieht sich selbst bewusst über die Vorstellungskraft der Gedanken und unbewusst über die negativen Gefühle immer tiefer in eine Abwärtsspirale. Wie bei einen Wasserstrudel zieht man sich selbst immer tiefer während ein kleinerer Teil von einem selbst versucht dem Druck standzuhalten und dagegen ankämpft. Bis man nicht mehr kann und regungslos in Leere treibt.
In beiden geschilderten Fällen, und ich hoffe ich gebe sie passend wieder, gibt es einem Punkt an dem der Kampf verloren ist, man sich fallen lässt, für alle guten Worte und Gefühle unerreichbar und die Umwelt vielleicht nur noch das Schlimmste verhindern kann.
Bei beiden Beispielen ist Therapie ein passendes Hilfsmittel um Ursachen zu erkennen, zu verarbeiten und Mechanismen zu entwickeln um sich selbst zu schützen. Eine Selbsthilfegruppe wiederum bietet Schutz bei Menschen, welche die Problematik nur zu gut kennen und vielleicht sogar früh genug die unbewussten Veränderungen an einem erkennen, wen man wieder anfängt zurückzufallen.
Doch kann es sein das man schon sehr früh für gute Argumente, Beispiele, Lob und Gefühle nicht wirklich erreichbar ist. Sich selbst anfängt verzerrt wahrzunehmen und die unterschiedlichen Formen an Zuneigung und Zustimmung nur oberflächlich aufgenommen werden.

Ich habe da jetzt insgesamt ein paar Beispiele genannt, die auf den ersten Blick vielleicht nicht zueinander passen. Mir geht es jedoch nicht um einen direkten Vergleich, sondern um die dahinter liegenden Mechanismen. Vielleicht kann diese tiefere Selbstoptimierung, von der ich zuvor sprach, auch in diesen letzteren beiden Beispiele greifen. Wenn man nicht nur vom Verstand her weis was man schon alles erreicht und Gutes getan hat. Wenn man es nicht nur auch fühlt. Sondern wenn einem dieses tiefere eigene Selbst-Bewußt-Sein schon so durchdrungen hat, das man es schon innerlich spürt. Oder wenigstens eine Ahnung hat das da noch was anderes ist, das da mehr ist. Wenn sich das Unterbewusstsein regt.
Diese Art der Selbstoptimierung, welche je nach Persönlichkeit auf allen Ebenen, wie zum Beispiel der künstlerischen, der handwerklichen, der seelischen oder der psychischen, stattfindet ist ein schwieriger Weg. Bewusstsein und Unterbewusstsein beeinflussen sich gegenseitig. Rationale Gedanken können Gefühle beeinflussen, so wie Gefühle die Logik beeinflussen können. Dies bei sich selbst bewusst machen, und zwar soweit das die positiven Abläufe schon unbewusst vonstatten gehen, ist vielleicht auch mit den Worten einer inneren Selbstverteidigung gut umschrieben. Wie bei Kampfsportarten trainiert man sich, bis die Abläufe automatisiert sind. Es ist schon ein besonders schwieriger Lehrgang.
Denn es aber tatsächlich lohnt zu gehen.

Himmel auf Erden

Der Versuch den Himmel auf Erden zu verwirklichen, produzierte stets die Hölle.Karl Popper, österreichisch-britischer Philosoph

Früher habe ich immer daran geglaubt, dass es in Beziehungen harmonisch ablaufen muss. Auch im Arbeitsleben habe ich nach Jobs und Umfeldern gesucht, wo alle harmonisch miteinander umgehen. Ich wollte auf Teufel komm raus Harmonie. Am Anfang hat es auch sehr gut funktioniert. Aber dann machte ich einen schwierigen inneren Prozess durch und die äußere Harmonie schien gefährdet. 

In meiner Beziehung versuchte ich alles perfekt zu machen, dass es keinen Anlass zur Kritik seitens meines Partners gab. Das war sehr ermüdend. Hat mich unendlich viel Kraft gekostet. Ich wollte alle Unannehmlichkeiten schultern, damit es den anderen gut geht. 

Denn mein Prinzip war „wenn es den anderen gut geht, geht es mir gut“. Ich habe versucht den Himmel auf Erden zu erreichen. Bin aber in meiner eigenen Hölle gelandet und mich dabei völlig verloren.

Und heute? 

Heute nehme ich es in Kauf, dass es auch mal unangenehm sein kann in Beziehungen. Dass ich Beziehungen riskieren darf, um mich zu vertreten, dass ich dem anderen auch etwas zumuten darf, dass er einen Teil der Aufgabe übernimmt. Heute habe ich keinen Anspruch auf Perfekt zu sein in Beziehungen. Heute ist es völlig in Ordnung, wenn es kracht. Das ist sehr reinigend. Und ich bin danach ziemlich stolz auf mich, dass ich es riskiert habe. 

Heute vermeide ich nicht Streitigkeiten. Ich spreche Unstimmigkeiten an. Ich sage, wie ein Verhalten bei mir ankam, wenn es störend oder verletzend war. Ich warte heute nicht mehr, dass der andere von alleine merkt, dass er mich verletzt hat.

Was habe ich davon? 

Authentische Beziehungen in denen ich mich nicht verliere. Denn nur wenn jemand die Hölle im Leben akzeptiert und damit umgehen kann, kann sich erlauben, den Himmel zu genießen, der sich ihm danach auftut.

 

 

 

Abschlußrede philosophische Rhedorik I

Warum brauchen wir Philosophie?
Oder genauer:
Warum brauchen wir Philosophie in der heutigen Zeit?

Nun, es gibt keine dummen Fragen. Es gibt nur dumme Antworten.
Manchmal fällt es mir sehr schwer ernsthafte Antworten zu geben.
Auf Fragen die sich mir nicht stellen. Weil ich den Grund der Frage für derart natürlich halte, das sich mir eine ernsthafte Frage nicht stellt.

Also anstatt mit einem einfachen:“Warum denn nicht? Denkt mal drüber nach. Wir sehen uns später beim Buffett..“ zu antworten,,,,

War denn Philosophie jemals nicht wichtig?
War Philosophie je nicht brauchbar?
Die Liebe zur Weisheit, das Streben nach Erkenntnis ist so alt wie die Menschheit. Naturwissenschaftlich gesehen vielleicht sogar älter. Denn die 0.7% Unterschied in der Genetik der Primaten Mensch und Affe sind vielleicht schon dieser kleine entscheidende Unterschied, der Funke (nennt ihn von mir aus göttlich) welche den Motor der geistigen Evolution anwarf. Der den Menschen stets dazu bringt sich weiter zu entwickeln. Mehr zu erfahren. Mehr zu wissen. Weisheit zu erlangen. Die nächste Stufe zu erklimmen. Stets beseelt von den großen und kleinen Fragen Wie und Warum etwas ist wie ist. Warum es so war und wie es wird.

Ja, die Fragen der Menschen drehen sich häufig um das hier und jetzt. Und zumindest anscheinend geht es dem Mensch dabei mehr um materielle Güter. Doch stets gibt es auch das Streben nach Erkenntnis, die Liebe zur Weisheit, dem Weg der Menschheit.
Jede Epoche beantwortete sich diese Fragen auf ihre Weise. Ja, inzwischen kann man sogar davon sprechen das jede Generation ihren Weg sucht, ihre Antworten findet. Jeder einzelne Mensch einer Generation setzt für sich neue Ziele in seinem Leben. Viele Menschen einer Generation wollen an der Erreichbarkeit von höhere Zielen für die Menschheit und ihrer Umwelt arbeiten. Um diese Gesamtheit zu umfassen kann man da durchaus sinnig von der Schöpfung sprechen.

Vielleicht ist das geübte Nachdenken über Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten der Welt das einzige was einem zum Intellektuellen macht.
Vielleicht ist das Streben nach dem Sinn, nach der Weisheit des Wissens das einzige was einem zu Philosophen macht.
Vielleicht ist der praktische Philosoph auch nur der welcher seine Weisheit in der Realität der Welt anwenden will – im Großen wie im Kleinem.
Und vielleicht sind diejenigen, welche als Otto Normalverbraucher bezeichnet werden, auch nur Philosophen welche sich im großen und ganzem nicht für größere Zusammenhänge interessieren. Die nur mal kurz sich danach fragen, aber ihre Philosophie des Alltags im respektvollem achtsamen Umgang miteinander praktisch leben. Vielleicht auch Vorbild sind durch ihr Engagement für andere.

Diese Zeit, unsere Zeit in unserer Gesellschaft erscheint vielen so gehetzt und so schrecklich oberflächlich. Auf Selbstoptimierung getrimmt, immer erreichbar und immer dabei, weltweit, am Puls der Zeit. Bis kurz vorm Herzkaschperl, dann wird ein wenig Yoga gemacht, ein wenig buddhistisch sein, ein paar Stunden Wellness buchen. Nur um dann weiter im selbstgebauten Hamsterrad zu rennen. Darüber jammern und doch mitmachen, Klatschblasen produzierend…
….was könnt ich jetzt vom Leder ziehen!
Vielleicht ein anderes Mal zu einer anderen Zeit, denn….

Ist das wirklich alles was die modernen Zeiten zeigen?
Oder kann man auch Zeichen für angewandte Philosophie sehen?
Was ist mit diesen Sätzen, welche mir immer wieder zu Ohren kommen? Sätze wie: Sei ein Held! Helden des Alltags.
Es gibt diese Helden über die man aus den Medien was erfahren kann. Von denen einem erzählt wird. Und es gibt diese unbekannten unbesungen Helden von denen so gut wie nie etwas erwähnt wird. Jetzt, in diesem Moment sind Tausende davon da draußen unterwegs. Sind für andere da. Helfen ihnen. Für nichts weiter als das Gefühl etwas Gutes zu tun. Ich meine die Ehrenamtlichen, die Freiwilligen. Dieses Ehrenamt ist so breit gefächert in so vielen unterschiedlichen Organisationen, durchdringt so stark und tief alle Schichten dieser Gesellschaft, das es mir schwer
fällt da ein bestimmtes Beispiel raus zuziehen.
Vom ABC-Schützen für Flüchtlinge bis zum Spaziergang mit Depressiven und Rama Dama-Natur-Entmüllungsaktionen.. Nur so als Knotenpunkte erwähnt.
Menschen die für andere Menschen, für die Natur, für die Gesellschaft einen Teil ihrer Freizeit geben. Ohne Bezahlung oder große Anerkennung. Einfach nur weil sie es für richtig, für rechtens halten. Sie empfinden sich nicht als Helden, als außergewöhnlich, sondern sehen das als ganz normal, als selbstverständlich an.
Wenn vom sozialem Netz die Rede ist, sind damit eigentlich nur die Behörden gemeint, Institutionen, Regeln und Paragraphen. Die es geben muß. Damit die Zahnräder in der Maschinerie des Staates funktionieren. Damit der Staat läuft.
Doch das soziale Netz, von dem ich spreche, lebt. Geknüpft und gehalten von Menschen und so tragfähig das auch Fremde willkommen sind, die sich erst zurecht finden müssen um Teil des Ganzen zu werden.
Ein soziales Netz, geknüpft von der Spitze bis zur Basis. Wie eins dieser Kletterseilgerüste auf Spielplätzen. Es verbindet ganz unterschiedliche Positionen in einem Gebilde und fügt alles zusammen.

Wie philosophisch ist das denn?

Brauchen wir Philosophie in der heutigen Zeit?
Ja!
Aber muss man denn so explizit diese Frage stellen?
Nein!
Denn ob bewußt oder unbewußt: Wir gebrauchen sie doch schon bereits täglich aufs neue.
Philosophie begleitet und leitet den Mensch.
Der Mensch formt die Philosophie in seiner Realität aus durch sich und sein Handeln und beeinflußt dadurch das Geschick der Welt.
Philosophie wird immer gebraucht. Und das durchaus im wörtlichem Sinne.
Tag für Tag,
Jahr für Jahr,
Epoche für Epoche.
Der Mensch und seine Philosophie sind ein Paar
und doch untrennbar Eins.

Kurze philosophische Laudatio

„Ich bin der Größte!“
Das sagten schon viele. Und noch mehr hielten sich dafür. Doch nur die wenigsten bewiesen ihre Behauptung.
Muhammad Ali, geboren als Cassius Clay, gehört zu jenen Größten.
Aus ärmlichen Verhältnissen boxte er sich sprichwörtlich nach oben, an die Spitze. Und sein loses Mundwerk baute er aus zur psychologischen Kriegsführung.
Doch kämpfte er nicht nur für sich. Er trat ein für die Rechte der Schwarzen. Und er stellte sich auf die Seite der Unterdrückten.
So wie er im Ring die Schwächen seiner Gegner erkannte, so erkannte er auch seine eigenen Fehler und Unzulänglichkeiten und rang mit sich selbst.
Er bereute das er seinem Freund Malcom X nicht beistand als dieser die Nation of Islam verließ.
Das Bild, welches Kinobesucher von ihm selber machen würde war ihm weniger wichtig als jenes was sie von seinen Lebenspartnerinnen haben würden.
Als ihm die amerikanische Gesellschaft die Hand reichte war er zur Versöhnung bereit.
Und in seinem letzten Kampf gegen Parkinson behielt er bis zuletzt seine Würde und versteckte sich nicht.
Usein Bolt sprach in einem Interview davon das er für die Leichtathletik das sein will, was Muhammad Ali für das Boxen ist. Das die Leute ehrfürchtig zu ihm aufschauen. Allein seine Aussage zeigt wie lahm der Blick dieses Ausnahmesprinters auf den Sport fixiert ist.
Muhammad Ali war nicht der einzige der in seinen Profisport zurückkehrte und wieder Champion wurde. Viele seiner Rekorde, vielleicht sogar alle, sind inzwischen eingestellt. Doch Ali war nicht nur Ausnahmesportler. Er ist auch Vorbild für die gesamte Gesellschaft. Für den Kampf gegen Ungerechtigkeit. Für Gleichberechtigung.

Philosophische Rhetorik: Ein Porträt

Wie zumeist nach dem Kurs wußte ich schon bald wen ich porträtieren will. Doch einmal darüber geschlafen viel mir im Laufe des nächsten Tages auf das ich da bereits an einer Lobrede arbeite. Da wir ja erfahren hatten das eine kleine Laudatio ebenso zu unseren Aufgaben gehören wird, verschob ich diesen Charakter zu diesem Vortrag. Mir gingen ein paar Persönlichkeiten durch den Kopf, doch bei einem blieb ich haften. Vielleicht auch weil ich beim Porträt im Thema, in der Nähe meiner Lobrede bleibe und eventuell sogar eine Überleitung zur Laudatio schaffe.
Den Mensch den ich beschreiben will kam aus schwierigen Verhältnissen und aus einem Armenviertel. Er war gut in der Schule; sehr gut und er schloss sie erfolgreich ab; doch ist ihm höhere Bildung verweigert worden. Er schlug sich als Hilfsarbeiter durch und geriet auf die schiefe Bahn. Von dieser ging es ins Gefängnis, wo er auf jemanden traf der in inspirierte, ihn seinen Glauben wechseln lies und einen Anstoß gab, so das er sich als Autodiktat in Philosophie und Geschichte einstudierte, sowie in Rhetorik übte. Er erkannte die systematischen Ungerechtigkeiten und die Unterdrückung in seiner Heimat. Sein Intellekt wuchs so wie seine schlaksige Gestalt überhoch wirkte und seine Reden wurden scharfkantig wie seine Gesichtszüge.
Er wechselte seinen Namen und trat einer Organisation bei mit der er für Gleichberechtigung für jene kämpfte welche er als die seinen betrachtete. Auch mit Mitteln der Gewalt, falls nötig. So sprach er und derartige Sätze ließen ihn zum Feindbild ganzer Bevölkerungsschichten werden. Vom Hass der Hass gebiert war die Rede. Und er diskutierte, stritt und verachtete Andere, welche seine Ziele teilten jedoch andere Wege nahmen. Das die Selbstbestimmung der Frau über ihre Rolle als Hausfrau und Mutter definiert wurde, dagegen hatte er jedoch zu jener Zeit nichts einzuwenden.
Er wurde der brillanteste und bekannteste Redner und Agitator der Organisation und trug maßgeblich zu ihrem Wachstum bei.
Doch mit der Zeit erkannte er das der Anführer dieser Vereinigung nicht nach den Idealen handelte welche die seine waren. Und das diese Gemeinschaft dazu diente ihrem Anführer zunutze zu sein.
Also trat er aus.
Bei einer Pilgerfahrt seines Glaubens begegnete er vielen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Kontinente. Diese Vielfalt in einem Glauben überraschte ihn und er erkannte einen Teil seiner eigenen Ungerechtigkeit. Nach dem pilgern wechselte er wieder seinen Namen, doch blieb er der Gesellschaft bekannt unter seinem alten. 
Er schwor der Gewaltbereitschaft in einer demokratischen Gesellschaft ab.
Bei den Besuchen der Befreiungskämpfe im noch kolonialen Afrika erkannte er das in einer freien und gerechten Gesellschaft Mann und Frau gleiche Rechte, gleiche Pflichten und gleichen Anteil für und an der Gesellschaft haben sollten.
Er gründete eine eigene Organisation und akzeptierte auch Menschen als Mitstreiter die anders waren wie er. Sofern diese zeigten das sie es ernst meinten mit einer Veränderung zum Guten. Mit einer Weiterentwicklung der gemeinsamen Gesellschaft.
Doch wurde er herausgerissen aus seinem Wirken durch ein Attentat. Ermordet von jenen die sich durch ihm verraten fühlten.

In seinem Leben wandelte er sich vom Ganoven zum Gläubigen und Revolutionär. Durch Erkenntnis und Erfahrung entwickelte er sich zum Reformer; zum Evolutionär. Ich halte es für gut möglich das die Freundschaft zu ihm positiv einwirkte auf andere prominente Vorbilder. Auch aus dem Sport.
Ich sprach von einem Menschen der seine eigenen Vorurteile, seinen eigenen Hass überwand. Sie hinter sich lies, der Gewalt abschwor und letztlich durch Gewalt starb.
Ich sprach kurz über den bemerkenswerten Lebenslauf eines Menschen, der seinen Weg fand.
Ich sprach von einem Menschen der im Laufe seines Lebens drei Namen trug und mit einem davon in die Historie einging und zur Legende wurde.
Ich sprach von Malcom X.

Doch abschließen möchte ich mein Porträt mit einem Zitat das ich am Ende eines Electro-Liedes hörte. Einem Lied in dem es auch um Schmerz und Hass geht. Wie diese Gefühle an den eigenen Ressourcen zerren. Dieses Zitat hörte ich dann erneut in einer Dokumentation über die Black Panther. Einer ihrer ehemaligen Mitglieder sprach:
Love is naturell
Hate ist unnaturell
Hate breeds Hate
I have never known where you have
overcome Hate with Hate
So you can only overcome
Hate with Love and Respect

 

 

Orthographische und grammatikalische Fehler bitte ich zu entschuldigen.
Das ich in freier Rede das oben Niedergeschriebene ’nicht ganz so‘ umsetzte versteht sich fast von alleine.

Philosophische Rhetorik: Über den Angsthasen

Heute will ich über den Charakter der Angst berichten. Nicht über diese Steigerung von Furcht, wenn man sich mit einer gefährlichen oder unbekannten Situation konfrontiert sieht und zögert in seiner Handlungsweise.
Nein. Ich meine dieses lähmende übermächtige Gefühl wie es im Angsthasen sprichwörtlich geworden ist.
Dem Angsthasen der erstarrt, geradezu versteinert, vor der sich näher kriechenden Schlange hockt. Den kommenden Tod vor Augen springt er doch nicht in Sicherheit, vergeblich hoffend sein Schicksal würde schon an ihm vorbeigleiten.
Der Angsthase der still und starr beim Rascheln im Gebüsch niederkauert obwohl er keine Gefahr wittert. Nur ein paar Grashalme die sich bewegen.
„Könnt‘ ne Schlange sein. Könnt‘ n Hase sein. Weis man’s? Bleib lieber still und leise.“
Doch dieser animalischer Instinkt wohnt nicht nur in Tieren. Nein. Er befällt auch einzelne Menschen. Ganze Gruppen. Ja, diese fürchterliche Angst kann komplette Gesellschaften befallen.

Danke für die Aufmerksamkeit.