Selbsttäuschung und Zwiespalt

Der tägliche Stoiker für den 3.4.2018
Inspiriert durch das Buch „Der tägliche Stoiker“ von Ryan Holiday und daraus zitiert.

„Die Umstände sind es, die uns täuschen. Du musst ihnen mit Scharfsinn begegnen. Das Böse ist verlockender als das Gute. Wir sehnen uns nach dem Gegenteil dessen, was wir einmal gewünscht haben. Unsere Gebete stehen mit unseren Gebeten so auf Kriegsführung wie unsere Pläne mit unseren Plänen.“
Seneca, Moralische Briefe, 45.6

„…und führe uns nicht in Versuchung…“
Um aus einem Gebet zu zitieren. Nur hat es in diesem Fall den falschen Adressat. Denn dies sollte man sich selbst sagen. Besser noch: verinnerlichen. Sich selber nicht ablenken und selber täuschen.
Ich plane eine Veränderung? Gut. Ich habe dafür einen Schritt in diesem Plan zu erledigen? Fein. Ich meine, ich bräuchte Zeit um abzuschalten von der Arbeitswoche? Eigentlich nicht wirklich, wenn mir dieser Plan so wichtig wäre. Nicht wahr? Andererseits ein wenig regenerieren hilft zu fokussieren. Oder warum zögere ich es ohne zu wollen bis in die späten Stunden hinaus? Also habe ich etwas andere Pläne den Spätnachmittag über. Mache dieses und jenes. Doch den eigentlichen, den wichtigen Plan verfolge ich erstmal nicht. Nun, dies muß wohl kaum unbedingt an einem Freitag auf den Weg gebracht werden. Doch sollte ich mir damit nicht allzu viel Zeit lassen.
Und was ist an einem anderen Tag mit einem anderen Plan? Wenn der Zeitraum nicht so großzügig gesteckt ist? Woher will ich Konzentration, Reaktion und Aktion nehmen, wenn ich sie nicht zuvor geübt und verinnerlicht habe?
„Führe mich selbst nicht Versuchung.“
Es geht beileibe nicht immer um diese vermeintlich süßen Versuchungen, welche den eigenen Weg kreuzen können. Versucht sein kann man auch, wenn man lieber etwas scheinbar leichteres machen will, mit weniger nachdenken. Oder zuvor noch versucht es sein zu lassen und lieber im bekannten und gar nicht mal schlechtem Trott bleiben, weil man erkennt das einem nominell die Qualifikation fehlt, man sich daraufhin zu kritisch sieht und zweifelnd es fast sein läßt. Dabei ist es doch so, selbst wenn man nüchtern betrachtet den Anforderungen auf dem Papier nicht genügen mag, man aber praktisch die Fähigkeiten hat, so kann man doch nie alle möglichen Entwicklungen eines Planes überblicken und bedenken.
Die Zeit ist nur dann verloren wenn man sie nicht zu gebrauchen wußte. Passt man auf sich selbst nicht auf, können die schönsten Träume im Stundenglas versunken sein ohne je das Licht der Realität erblickt zu haben und die Chance zu kriegen dieser hart strahlenden Sonne standzuhalten.
Frank, Polyblob

„…
Dein Leben dreht sich nur im Kreis
So voll von weggeworfener Zeit
Deine Träume schiebst du endlos vor dir her
Du willst noch leben irgendwann
Doch wenn nicht heute wann denn dann?
Denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her“
Wolfsheim, Kein Zurück

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