Kleine Nachlese zur Wahl

Nun, eigentlich hat ja Deutschland schon weitaus schlimmeres erlebt als diesen Wahlausgang. Mit einer guten Portion schwarzen Humor, angereichert mit Sarkasmus, geschmacklich leicht verfeinert mit einer Note bittersüßem Zynismus, könnten es sogar ein paar lustige Jahre werden. Zumal das AfD-Theater ja noch vor der konstituierenden ersten Sitzung des neuen Bundestages anfängt. Und der Spiegel doch glatt ein Sonderheft bringt. Welches durch Laiendarsteller verbrochenes Schmierentheater hat eigentlich je solche Aufmerksamtkeit auf sich gezogen?

Die CDU hat, dank Mutter Angelika, wieder den größten Batzen abbekommen. Dumm nur das die Partei noch immer nicht weis was heuzutage eigentlich konservativ bedeutet. Um christlich und demokratisch zu sein braucht es keinen Konservatismus. Also zumindest nicht vom grundsätzlichen her. Und klassische Konservative sind ja keine mehr da in leitenden Positionen. Bundeskanzlerin Merkel mag man viel nachsagen aber das sie die ehemals Vorhandenen weggebissen habe; das lässt sich jetzt wirklich nicht sagen. Dürfte eher so gewesen sein das diese Herrn der Schöpfung wohl nicht genügend Kraft, argumentative Stärke oder auch Ausdauer hatten um neben ihr zu bestehen. War wohl nicht viel mit Alphatier.

Die SPD feiert das sie in die Opposition geht. Auch was einmaliges. Die feiern das sie nicht mehr aktiv gestalten können. Ob das ausreicht um als Partei sowas wie Selbstreflexion zu betreiben und „sich selbst neu zu erfinden“ (wie es so unschön heißt) oder zur „SPD 127.2b“ (wie es genauso häßlich heißt – xxx Vx.x – wie doof sind denn solche „Versionsbeschreibungen“?) zu werden? Ob die alte Tante Ju, immerhin als SPD schon seit 1890 bekannt, zumindest einen Arbeitsansatz findet um soziale Gerechtigkeit bundesweit auch jenseits der Wahlzielgruppen der Ballungszentren zu finden, wird sich zeigen. Die Chance haben sie ja nun um in Ruhe in der Opposition daran zu arbeiten.

Die FDP wiederum wird sich wohl beweisen müssen das sie mehr kann als Apotheker- & Hotelierspartenpartei mit neoliberalen Wirtschaftsgedankengut zu sein. Jedenfalls sehe ich das Wahlergebnis einer ehemals gesellschaftlich relevanten liberaldemokratischen Partei nicht nur als Protestoption sondern auch als Vertrauensvorschuß.

Die Grünen sind froh das sie nichts verloren haben. An Prozenten zumindest. Wie es mit der Glaubwürdigkeit aussieht ist es wieder was anderes. Aber da kommt wohl der Autolackmustest wohl erst in Jamaica. Ein Prüfstein, der leicht zum Stolperstein werden kann. Womit mir fast schon die gescheiten Sprüche ausgehen. Abgesehen von einem anderem – mit Grünzeug- zum Thema Jamaica: „Kiffen macht gleichgültig….Mir egal“.

Die AfD-Fraktion zerlegt sich schon noch bevor der neue Bundestag seine erste Sitzung hat. Aber so ist das nun mal, wenn jede einzelne Person eines Parteikollektivs für sich die absolute Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Oder zumindest so tut als ob. In den Landtagen zeigte es sich schon ab und inzwischen wird es wohl auch auf Bundesebene so kommen, das sich ein Nationalkonservativer Teil abspaltet von dem rechtsradikalen Verfassungsfeinden. Mal sehen welchen Weg diese Partei oder ihre Nachfolger nimmt. Momentan sehe da aber wenig konstruktive Möglichkeiten im Rahmen der Verfassung bei denen. Eher indirekt für alle anderen mit der Beschäftigung mit einer solchen Protestpartei.

So ungefähr wie bei den Linken, was deren fundamentalistischen Flügel angeht. Mir scheint eh das der ‚typische Protestwähler‘ einfach mal von linksaußen nach rechtsaußen schwenkte. Das die Formel nicht so einfach aufgeht, ist mir schon bewußt. Naja, jetzt können die SED-Nachfolger ja wieder antifaschistischer Schutzwall spielen. Ist ja auch mal was. Und der nicht-kommunistische  Teil kann schauen wo er bleibt.

Die CSU, eine leidlich regional – also in einem Bundesland antretenden, auf ihrem Bayerntum rumreitenden Partei, will ihre rechte Flanke schließen und eine Heimat für national gesinnte Deutsche bieten und von deutscher Leitkultur reden. Ich bin mir sicher das ich die, mir bekannten, Fakten richtig wiedergebe. Doch irgendwie kommt es mir vor als wenn da ein paar Fehler im Satz sind. Und ich meine weder grammatikalische noch orthographische. Glaubwürdigkeit liest sich für mich jedenfalls nicht so.

Alles im Allem könnten es interessante Zeiten werden für Deutschland. „Mögest du interessante Zeiten erleben“ soll ja in China ein Fluch sein. Gut das die Bundesrepublik in der Mitte Europas liegt und nicht das Reich der Mitte ist. Die Auseinandersetzung mit den extremistischen Kräften in diesem Land, was sie bewegt und wie Mißstände behoben werden können, das würde diese Nation stärken. Der Vergleich mit den Linksradikalen in den 70er hinkt wohl ein wenig, aber ich sehe da schon Parallelen. Der harte Kern ist wohl für die Demokratie verloren. Doch die Mitläufer, die Unterstützer und die Wähler bewegt etwas anderes.
Wenn Berufspolitiker in diesem Land von den Menschen als eigene Kaste wahrgenommen werden, die nur zuerst daran denkt ihre Taschen zu füllen und für die eigene Zukunft zu sorgen, anstatt für die des Landes und seinem Volk, dann wird es schon schwierig. Natürlich braucht es Fachkräfte der Politik, doch wenn diese die Bodenhaftung verlieren und ein Teil der Menschen von den Zuständen in diesem Land nun mal eine ganz andere Sicht und ein ganz anderes Gefühl haben, dann wäre es besonders wichtig den Kontakt zum Volk zu finden. Nicht nur bei den eigenen Wählern. Nicht nur auf Parteiveranstaltungen.
Wenn im Bundestag aber der Kindergarten schon damit anfängt das sich niemand neben „Die von der AfD“ setzen will, dann habe ich da so meine Zweifel ob das gelingen mag.

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