ES – Kapitel 1

Natürlich gibt es bei einer Literaturverfilmung Abweichungen zum Original. In diesem Beispiel unter anderem jenes das die beiden Zeitebenen auf zwei Filme aufgeteilt wurden und nicht abwechselnd, die Handlungsschienen also gewissermaßen parallel, ablaufen. Zuerst war ich skeptisch als ich davon las. Doch nach dem Kinobesuch war mir klar: es ist besser so wenn daraus gewissermaßen eine Fortsetzungsgeschichte wird. Erstes Kapitel die Jugend der Protagonisten und im zweiten Film dann die finale Konfrontation der Erwachsenen mit Es. Obwohl auch hier viel Buchinhalt weggelassen und Handlung gestrafft wurde, so wirkt der Film nicht nur kompakter, sondern auch runder. Und um ehrlich zu sein: ich hasse Cliffhanger. Bei einem Fernsehzweiteiler mit kurz hintereinander ablaufenden Ausstrahlungen ist sowas ja noch akzeptabel. Aus dem Kino rausgehen, mit einer Handlung die mittendrin abbricht aber nicht schlüssig zuende erzählt wird, und ein Jahr warten? Nein Danke, dann lieber nächstes Jahr ein Double-Feature. Vielleicht sogar ein Triple mit Rocky Horror Picture Show? Apropo Tim Curry: Er ist einfach der charismatischere der beiden Pennywise Bill Skarsgård bringt zwar ’seinen‘ Clown voll überzeugend und unheimlich rüber. Doch ist dieser Pennywise von Anfang eher Horror-Clown. Überhaupt geht der ganze Film mehr in die Richtung Horror. Von Coming-of-Age war leider genauso wenig zu fühlen wie von Charakterstudie oder eintauchen in die 80er. Von allen etwas. Doch es hätte von allem auch mehr sein dürfen und können.
Auch das die Metaebenen des Buch so außer acht gelassen wurden, finde ich bedauerlich. Bevor ich anfange rumzuspoilern: Buch lesen! Der Film nimmt zum Beispiel das „Hier unten fliegen wir alle.“ wortwörtlich. Und ein oder zwei Veränderungen waren für mich zu gravierend unter diesen Gesichtspunkt. So ist Es „nur“ zu einem besonderen Monster geworden, jedoch nicht mehr ES. Und die 2017 Verfilmung ganz knapp kein Meisterwerk, sondern ein hervorragender Horrorfilm. Vielleicht sind die eigenen Erwartungen bei solch einer literarischen Vorlage auch nur zu hoch gewesen.
Das liest jetzt fast alles wohl sehr schrecklich. Dabei ist diese Interpretation des Stoffes als klassischer Horrorfilm rundum gelungen, sämtliche Schauspieler geben ihre Rollen voll überzeugend wieder, der Streifen hat Atmosphäre in die man eintaucht, ist so spannend inszeniert das selbst ich mich an einer Stelle sehr erschreckte. Regisseur, Kamera, Tricks, das komplette Team: alles bestens. Auch die Verlegung der Handlung in die 80er kommt gut. Vielleicht ist das auch der Grund der kritischen Äußerungen: es wäre halt mehr Potenzial möglich gewesen zum entfalten. Apropos entfalten: das Erschrecken scheint sich im Publikum nervenaufreibend entfaltet zu haben. So war der Kinobesuch für die überwiegende Mehrheit der  Zuschauergenerationenübergreifend positiv. Inklusive aufseufzen der jugendlichen Mädchen eine Reihe vor uns als es am Ende noch zu einem Kuss kam.
Auf die Blu-ray-Veröffentlichung bin ich gespannt, schaue den Film gerne wieder an und erwarte vom zweiten Kapitel ganz klar das er das hohe Niveau hält, vielleicht sogar noch schlägt.

8,5 von 10 dicken roten Luftballons plus ein breites, absolut positiv gemeintes, fettes Tim-Curry-Gedenkgrinsen

Comments

    1. Coming of Age in diesem Zusammenhang bedeutet für das jeweilige Mitglieds des Clubs der Verlierer die Kindheit ein großes Stück hinter sich zu lassen. In all seinen guten wie schlechten Facetten. Mit der ganzen Freude und Trauer. Für mich fehlt dieser große Schritt ins Erwachsenenleben, da zuviel der Hintergrundgeschichten entweder weggelassen oder nur kurz beleuchtet wurde.
      Das fehlt zum Beispiel für mich zum Meisterwerk.

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