Eine Variable zu Platons Höhlengleichnis

Stell dir vor du liegst in einer Höhle. Nicht alleine, doch von den anderen nur Schemen erkennbar und gedämpfte Stimmen. Dunkel ist es und angenehm warm. Ein Lagerfeuer prasselt hinter dir. Hin und wieder knistert ein Holzzweig. Du spürst die Ketten auf deinem Körper. Seltsame eiserne Ketten mit Dornen, die deine Haut ritzen und in dein Fleisch umschmiegen mit sanften Druck. Doch ist kein Schmerz zu spüren solange du ruhig und entspannt liegst, angeschmiegt an diesem Felsen. Poliert und glatt fühlt sich der Stein an. Und warm. So angenehm warm. Dein Blick schweift an die Höhlenwand, deren untere Hälfte im Schatten des Felsens liegt. Im oberen Teil? Gute Frage. Was ist das nur was da flackert. So real. Fast ansprechbar wenn du würdest wollen. Doch wozu? Sieht es nicht lebendig genug aus? Zwischendurch meinst du diese Figuren und Gebilde sind wie Schattenspiele, erschaffen von deinen eigenen Händen. Doch so Tolles könntest du nie erschaffen. Nicht wahr? Zu gebannt, zuviel Konzentration der Aufmerksamkeit erfordert dieses schöne Betrachten.

Doch da! Ein kurzes helles Flackern oben im Eck. Über dem warmgelben Feuerschein mit seinen Schattentanz. Ein Flackern eines helleren Lichts mit einem Spiegelbild wie von einem Durchgangsbogen. Wie dieser auf der anderen Seite der Kaverne. Aus dieser Richtung fühlst du einen leichten kühlen Sog, hin zu einer Dunkelheit, die wie Leere erscheint.

Was ist dort wo es so hell erschien? Diese Frage kommt in dir hoch. Doch kann es nicht auch unangenehm viel Licht auf der anderen Seite geben? Vielleicht muß es sogar manchmal zu hell sein. Damit du blinzelst und danach besser siehst. So wie in der Höhle manchmal. Doch hier ahnst du so nur besser was du an der Höhlenwand zu erkennen glaubst. Von dort oben bei diesem Bogen, hinter dem vielleicht mehr liegt, könntest du dich umsehen und zurückschauen. Vielleicht siehst du von dort auch besser auf diese Schatten. Erkennst ihre Bedeutung und ihren Sinn anstatt nur zu ahnen und zu raten wie derzeit. Möglich das dahinter mehr ist. Ja vielleicht ist dies dort ein Eingang. Von beiden Seiten hinein, niemals heraus.

Doch lohnt es sich wirklich? Die Mühe dort hoch zu kommen. Mit diesen fesselnden Ketten. Sie würden schmerzen. Gerade bei den ersten Schritten. Lockern sie sich überhaupt? Könntest du sie vielleicht abstreifen in der Bewegung. Die Stachel würden schmerzhaft ins Fleisch schneiden. Wunden reißen und Blut fließen lassen. Wäre diese Mühe, diese Qual es wert um dort oben im Durchgang zu stehen, wo du nicht weißt was ist und nicht wissen kannst was wird.

Überhaupt diese Wunden, die sichtbar sein werden, behindern beim gehen und ergreifen. Können solche Verletzungen überhaupt heilen? Derartig tief werden sie wohl nimmer entschwinden sein. Dort oben im Licht kannst nicht nur du diese Grausamkeiten sehen, sondern auch jedes andere Wesen das dich erblickt. Lachen über dich und den erbärmlichen Anblick den du bieten magst könnten sogar jene die zurückblieben in der Höhle. Sehen sie doch ein Zerrbild Deiner, geworfen an diese Wand. Wo ihr noch zusammen hinschaut in diesem Moment.

Ist es denn zu schaffen da hinauf? Was ist wenn du stolperst wegen einer Unebenheit des glatten Felsens? Kaum zu erkennen ist der Höhlenboden. Wer weis schon was in seinen Ritzen und Löchern lauern mag. Straucheln könntest du an dir selbst. Wenn du zurückfällst, rollend aufschlägst wo du nun schon bist. Der Schmerz ist dann geradezu überwältigend im Vergleich zu dieser ab und zu piksender wohligen Gebundenheit die du gerade fühlst.

Falls du es schaffen solltest, wie schaust du denn dann aus? Frisch unterm Bogen stehend. Verletzt. Verdreckt vom Aufstieg, hinfallen und wieder aufstehen, weiter gehen, Abschürfungen überall, vielleicht sogar noch mit ein paar Ketten lockerer an dir hängend. Erschöpft. Kann sein das du erst erschrickst an deiner Hässlichkeit. Gehst du dann weiter? Willst du dann weiter? Wieder zu dir kommen? Heilen was heilbar ist. Dich regenerieren, frei gehen lernen?

Du weist nicht wie du dort sein wirst. Wie du aussehen wirst. Im Inneren wie Äußerem.

Doch weist du es jetzt wie du bist? Du erkennst doch nur Schemen deiner Selbst in dieser zwielichtigen Höhle.

Willst du es wagen aufzustehen?

 

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