Bekenne Dich

Der tägliche Stoiker vom 22.12.2017
Inspiriert durch das Buch „Der tägliche Stoiker“ von Ryan Holiday und daraus zitiert.

„Denn es ist schändlich, wenn ein alter Mensch, oder jemand, der sich dem Alter nähert, nur das Wissen hat, dass er in seinen Notizbüchern mit sich trägt. Dieses hat Zenon gesagt … Was sagst du dazu? Jenes hat Kleanthes gesagt … Was sagst du dazu? Wie lange willst du dich den Behauptungen anderer fügen? Ergreife die Verantwortung und bekenne dich zu deinen eigenen Worten – auf das die Nachwelt deine Worte in ihre Notizbücher schreiben möge.“
Seneca, Moralische Briefe, 33.7

Holiday bringt es hervorragend am Ende seines Kommentars auf den Punkt: „Deine eigenen Erfahrungen haben ihren Wert. Auch du trägst Weisheiten in dir. Bekenne dich zu dir selbst. Hinterlasse deiner Nachwelt etwas – in Worten und in beispielhaften Taten.“
Für sich philosophieren, nachdenken und nachfühlen ist das eine. Notizbücher damit vollkritzeln etwas weiteres. Das alles ist für das innere Selbst, für die eigene Persönlichkeit, wichtig und richtig. Doch sollte man nicht auch für andere Menschen da sein? Etwas tun? Handeln? Für seine Umwelt? Für das große Ganze? Immerhin führt ja auch eins zum anderen. Und der eigenen Individualität ist es in ihrer Entwicklung ja auch von Vorteil. Ob es zum Nachruhm reicht? Was soll’s, sowas interessiert mich nicht.

Heutzutage ist es besonders einfach dank der modernen Medien Zitate zu verschicken. Berühmte Worte von berühmten Menschen wie auch von unbekannten Autoren. Hübsch aufbereitet mit Bildern und Grafiken sind sie schön anzusehen. Oder diese Kalender mit dem Spruch des Tages. Am besten noch diese bei denen das Datum oder der Monat abgerissen wird wenn die Zeitspanne abgelaufen ist. Wenn diese Worte jedoch nicht auch geteilt, sondern nur verteilt und verbraucht werden; wenn nicht auch danach gefühlt, gedacht und gehandelt wird – was sind sie dann noch wert? Abgesehen von einem theoretischen ideellen Wert ist da nicht viel. So werden die größten Weisheiten zu leblosen Worthülsen degradiert. Zu bloßen Konsum. Zu Propagandasprüchen. Wenn man sie nicht lebt und dazu steht.

Meine ersten Gedanken nach dem Lesen der ganzen Seite für den 22. Dezember aus Holidays Buch („Fuck. Ja, Mann!“) sind mit Sicherheit nicht zitierfähig. Aber verdammt ehrlich. Und in solchen Momenten bin ich froh mich kurz und einfach, ganz direkt ausdrücken zu können – wie ein einfacher Arbeiter, der ich bin.
Frank Polyblob

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