Angst ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung

Der tägliche Stoiker vom 7.2.2018
Inspiriert durch das Buch „Der tägliche Stoiker“ von Ryan Holiday und daraus zitiert.

„Vielen Menschen schadet vor allem die Angst an sich, und das Schicksal vieler Menschen hat sich bereits erfüllt, während sie noch auf die Erfüllung ihres Schicksals warten.“
Seneca, Ödipus, 922

Ein Beispiel: Von einer psychologische Studie habe ich gelesen, in der untersucht wurde inwiefern sich Frauen sicher fühlen wenn sie sich bewaffnet haben. Es machte keinen Unterschied ob mit Reizspray oder Gaspistole. Das Gefühl sich schnell verteidigen zu können, eine Waffe griffbereit zu tragen, führte nicht dazu das dies  Empfinden von Gefahr abnahm. Im Gegenteil sogar: andere Menschen wurden häufiger als Bedrohung empfunden. Die Befürchtung Opfer einer Gewalttat zu werden war als unbewußtes Gefühl bereits vorhanden. ‚…es könnte ja was passieren…‘ war vorrangig vor einem ‚…ich kann mich wehren…‘. Diese Studie hat sich meiner Erinnerung nach zwar auf Frauen bezogen, doch betrifft es Männer mit Sicherheit ebenso. Diese Menschen sind bereits Opfer ihrer Befürchtungen, hervorgerufen durch Angst, geworden, noch bevor sie Opfer eines tatsächlichen Verbrechens wurden.
Ein anderes Beispiel: Es gibt eine medizinische Diagnose. Das Ergebnis lässt einen erschauern. Die Zukunft ist auf einmal ungewiss. Ungewisser denn je. Noch bevor ein erster Schritt von der Gegenwart vorwärts in die Zukunft getan wird, schaltet das Kopfkino auf Horrorfilm. In Real3 und Dolby Surround. Leicht hatte man es nie, doch nun scheint es ein Schrecken mit einem bösen Ende zu werden. All das Schlimme und Fürchterliche was geschehen könnte, was man vielleicht sogar schon länger als Möglichkeit kommen sah, wird vor dem inneren Auge wahr. Schmerz wird körperlich spürbar. Wie das Leben den Bach runtergeht, alles zusammenbricht – all das ist real ohne Realität zu sein. Man verharrt in dieser Art Schockzustand und das eigene Schicksal hat sich erfüllt, noch bevor es die Möglichkeit bekam überhaupt eine Form – positiv wie negativ – anzunehmen.

Die menschliche Vorstellungskraft kann etwas wundervolles, geradezu phantastisches sein. Nicht nur Gläubige von Religionen, von irgendwelchen esoterischen Strömungen oder „naiven“ positiv Denkenden glauben an die Macht der inneren Einstellung, an den Glauben an sich und etwas was einen die Gemeinheiten des Lebens überwinden lässt. Was einen dabei hilft zu heilen oder zumindest die Angst einzäunt, anstatt sich von der Angst einmauern zu lassen. Auch die Schulmedizin hat schon erkannt und bewiesen wie wichtig dies ist. Auch dazu gibt es Studien. Doch bekannt ist dies schon länger. Oder glaubt ernsthaft jemand etwa das Kinderstationen deswegen so gut wie möglich kindgerecht eingerichtet werden um die Kleinen zu bespaßen? Es ist doch vielmehr so das dies den Kindern in ihrer Genesung hilft, wenn sie nicht hängen gelassen werden.
So hilfreich die menschliche Vorstellungskraft sein kann, so schädlich kann sie werden. Wenn sie nicht von Tugenden, sondern von Ängsten geleitet werden.
Frank, Polyblob

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